Das Auestadion in Kassel ist für die Regionalligaspiele des KSV Hessen Kassel, Leichtathletik-Meisterschaften und zahlreiche Großveranstaltungen bekannt. Der Rasen wurde 2024 umfangreich nach Fachplanung und öffentlicher Ausschreibung von uns saniert.
Die ursprünglichen Pläne
Es sollte das sportliche Highlight 2024 für das Auestadion werden: der Traum vom EM-Base-Camp. Die Base-Camps waren im Rahmen der EM 2024 Trainingsstandorte für Teilnehmer der Europameisterschaft. Doch um eine Nationalmannschaft als Gast empfangen zu können, musste die Qualität des Rasens im Stadion deutlich verbessert werden. Deshalb wurden die Weichen für ein erfolgreiches Projekt durch die Stadt Kassel schon im Herbst 2023 gestellt, als das Planungsbüro hanf Gartenarchitekten und Landschaftsplaner die Fachplanung der Sanierung übernahm. Rückblickend lässt sich sagen, dass der Traum vom EM-Base-Camp glücklicherweise platzte und die Bewerbung der Stadt Kassel nicht erfolgreich war.
Glück im Unglück
Es war tatsächlich rückblickend für das Projekt gut, dass die Base-Camp Bewerbung gescheitert ist. Denn den Zeitplan hätte niemand wegen eines entscheidenden Faktors einhalten können. Das Stadion sollte ursprünglich in den Monaten März und April umgebaut werden. Das ist grundsätzlich nicht unmöglich und natürlich wussten alle Beteiligten, dass das funktionieren kann. Aber der entscheidende Faktor „Witterung“ sollte uns 2024 vor einige besondere Herausforderungen stellen.
Bauzeit verschoben und trotzdem Ärger
Die neuen Ausführungszeiten nahmen erstmal alle Schlechtwettersorgen und jede Menge Zeitdruck von allen Beteiligten. Doch es sollte anders kommen: Obwohl die Ausführung der Sanierung nun von Ende Mai bis Mitte Juli geplant war, hat es immer wieder Unterbrechungen durch ergiebige und regelmäßige Niederschläge gegeben. Das führte zu so vielen Verzögerungen, dass am Ende der Sanierung sogar der geplante Fertigstellungstermin beinahe nicht hätte eingehalten werden können. Natürlich sollte das erste Heimspiel des KSV Hessen Kassel in der neuen Saison im Auestadion stattfinden. Und das hat es dann am 03. August 2024 auch.
Die Sanierung
Was wurde alles gemacht? Umfangreiche Arbeiten wie die Herstellung eines neuen Planums, das ist die Höhenlage und Gefällesituation eines Rasenspielfeldes, sowie die Herstellung einer neuen Drainage und Beregnungsanlage, erfordern zunächst das Abtragen des vorhandenen Sportrasens. Danach mussten mehrere Kubikmeter alte Rasentragschicht ausgebaut und abgefahren werden. Wir sprechen hier von ca. 1200 cbm, was ungefähr 85LKW-Ladungen bedeutet. Insgesamt wurden anschließend rund 1500 m Gräben für Wasserleitungen und Drainageleitungen ausgehoben und die Technik für eine Beregnungsanlage mit 15 Versenkregnern und moderner Steuerung verbaut. Während fast 8000 qm Fertigrasen als Rollrasen am Ende verlegt wurden, musste die Kunststofflaufbahn aufgrund einer Querung für Zuleitungen wiederhergestellt werden und wegen der schwierigen Witterungsbedingungen fielen am Ende noch sehr umfangreiche Reinigungsarbeiten der an das Rasenspielfeld angrenzenden Bereiche an.
Probleme auch nach der Fertigstellung
Eventuell lag es einfach alles am Wetter. Vielleicht am vielen Regen, den teilweise überraschend niedrigen Temperaturen und an weniger Sonnenstunden als üblich: die Wachstumsfaktoren waren 2024 streckenweise besonders ungünstig. Das teilte uns auch der Fertigrasen durch anfangs sehr schwaches Wurzelwachstum mit. Obwohl alle technischen Parameter in der Ausführung gepasst haben, so ziemlich das Beste an Dünger und Bodenhilfsstoffen zum Einsatz kam, wollte die Wurzel nicht in die Tiefe wachsen. Zusätzlich wurde der Rasen daher im Nachgang sechs Mal aerifiziert und zwei Mal Tiefenbelüftet. Mal mit Entfernen der mittels Hohlspoon ausgestochenen Erdstöpsel, mal in Verbindung mit Sand und auch mal unauffällig mit kleinen Kreuzspoons kurz vor einem Heimspiel.
Weiterhin leitete der Rasen die Feuchtigkeit nach Niederschlägen trotz der häufigen Perforation schlecht in die darunterliegenden Schichten ab. Obwohl auch hier eine Fremdüberwachung durch anerkannte und unabhängige Fachbüros erfolgte, und alle Parameter gepasst haben, funktionierte der Aufbau anfangs nicht so, wie es geplant war. Deshalb wurde der Rasen weiterhin von uns regelmäßig begutachtet und es fanden parallel zum Ligabetrieb eine Vielzahl von Maßnahmen statt, die bedingt Abhilfe schaffen konnten. Bedingt deshalb, weil im Saisonbetrieb keine größeren Maßnahmen zur Lösung des Problems ergriffen werden konnten. Das Zeitfenster von max. 13 Kalendertagen zwischen Heimspielen hat die Auswahl an durchführbaren Maßnahmen extrem eingeschränkt. Auch das Wetter hat einige der Arbeiten nach der Fertigstellung verhindert und Verzögerungen herbeigeführt. Die Ursache für die Probleme war eine stärkere Schicht aus Rasenfilz, welche der Fertigrasen deshalb mit sich brachte, weil es die Witterung im Produktionsjahr Filzbildung bei vielen Fertigrasenherstellern förderte und aufgrund des knappen Zeitfensters zwischen Verlegung des Rasens und erstem geplanten Spiel ein etwas stärkerer Rasen mit mehr Wurzelgeflecht und eben auch Rasenfilz verlegt werden musste.
Rugby-Länderspiel am 16.02.2025
„Auch das noch“, war mein erster Gedanke, als ich davon erfahren hatte, dass ein Rugby-Spiel im Auestadion stattfinden sollte. Ich war nicht grundsätzlich gegen das Rugby-Spiel. Aber der Zeitpunkt mitten im Winter, passte uns gar nicht! Und dann noch so kurz vor Beginn der Regionalliga. Bei einem Termin Mitte Juni hätten es da deutlich weniger Bedenken gegeben. Obwohl der Rasen im Winter keine Chance hat, Schäden auszuwachsen, sich also zu regenerieren, fielen die Schäden durch das Rugby-Spiel deutlich geringer aus, als wir befürchtet hatten. Die Platzwarte des Sportamts haben danach mit ca. 1 cbm Rasentragschichtsubstrat zahlreiche Löcher im Rasen aufgefüllt. An eine Nachsaat war im Winter natürlich nicht zu denken. Wenn das Wachstum frühestens im April einsetzt, war klar, dass der Rasen einige Spiele lang bescheiden aussehen wird und ohne Wachstum von Spiel zu Spiel mehr Schäden erleiden sollte.
Geschafft! Der Rasen wächst und die Filzproblematik hat sich erledigt
Trotz der erschwerten Bedingungen und der zahlreichen Hindernisse, war mit einsetzendem Wachstum der Gräser ungefähr im April erkennbar, dass alle Probleme durch konsequente zusätzliche Pflegemaßnahmen gelöst werden konnten. Zum Hessen-Pokal Halbfinale am 30.04.2025 sah der Rasen trotz der vorangegangenen Strapazen super aus und bei vielen Heimspielen konnten die Löwen, die eine herausragende Rückrunde hinlegten, mit technisch gutem Fußball überzeugen.
Wir wünschen allen Nutzern und Besuchern des Auestadions weiterhin viel Spaß und Erfolg mit dem neuen Sportrasen und den technischen Upgrades.