Barrierefreiheit Einstellungen

Dr. Klaus Müller-Beck im Gespräch mit Sebastian Leitner
Dr. Klaus Müller-Beck im Gespräch mit Sebastian Leitner

Hybridrasen in Hertingshausen: Ein Interview aus dem Projektjahr 2016

Dr. Klaus Müller-Beck im Gespräch mit dem damaligen Bauleiter Sebastian Leitner

In der Sommerspielpause 2016 wurde der Sport-Park Hertingshausen vollständig mit dem Hybridrasen-System XtraGrass ausgestattet – ein Novum zu dieser Zeit. In diesem zeitgenössischen Interview erläutert der verantwortliche Bauleiter Sebastian Leitner die Technik, den Einbau und die Vorteile des Systems aus damaliger Sicht und liefert damit einen spannenden Einblick in die Anfänge des Hybridrasens im deutschen Sportplatzbau.

Der Sport-Park Hertingshausen in Baunatal erhielt jetzt in der Sommerspielpause einen kompletten Hybridrasen mit dem Hybridrasen-System XtraGrass. Erste positive Erfahrungen konnten bereits mit der Armierung der Mittelachse gesammelt werden. Jetzt wurde jedoch der komplette Rasenplatz bis zu einer Tiefe von 35 - 40 mm abgefräst und mit dem Hybridrasen-System XtraGrass ausgelegt. Die Verfüllung der „Upper-Rootzone“ erfolgte mit einer RTS-Fertigmischung nach DIN 18035, Teil 4.

Der verantwortliche Bauleiter Herr Sebastian Leitner, erläuterte im Gespräch mit Dr. Klaus Müller-Beck die wichtigsten Schritte bei der Neugestaltung der Rasenfläche.

Worin liegen die besonderen Eigenschaften des Hybridrasen-Systems Xtragrass?

Sebastian Leitner: Bei erhöhter Nutzungsintensität von Sportrasen steigen die Erwartungen durch Spieler und die Verantwortlichen in den Vereinen ständig an. Qualitätskriterien wie Ebenflächigkeit oder Scherfestigkeit stehen besonders im Fokus. In diesem Sinne nutzt das Hybridrasen-System XtraGrass idealerweise die Stärken des Kunstrasens in Verbindung mit den Leistungseigenschaften des Naturrasens für höchsten Spielkomfort.

XtraGrass besteht aus einem gewebten Trägermaterial in dem ein 50 mm hoher Flor aus Kunststofffasern die Rasennarbe armiert und bestmögliches Rasenwachstum ermöglicht. Teile des Trägergewebes werden nach dem Einbau biologisch abgebaut, sodass eine hohe Durchlässigkeit der Schichten nachhaltig garantiert ist.

Wie wurde der vorhandene Rasenplatz für die Armierung vorbereitet?

Sebastian Leitner: Die vorhandene Rasennarbe, die zum Teil abgespielt war, wurde mit dem KORO-Field Topmaker exakt abgefräst, damit die anstehende Rasentragschicht wieder voll funktionsfähig genutzt werden konnte.

Es wurde darauf geachtet, dass neben der Ebenflächigkeit auch die Durchlässigkeit des Substrates wieder hergestellt wurde, deshalb musste der obere Horizont mit organischen Anteilen sauber entfernt werden.

In welchen Maßen werden die XtraGrass-Rollen geliefert und wie werden sie flächig auf dem Platz verarbeitet?

Sebastian Leitner: Die Rollenbreite beträgt vier Meter und die Länge kann entsprechend der Verlademöglichkeiten bis zu 230 m ausfallen. In jedem Falle wird die Rolle mit dem Radlader transportiert und von Hand abgerollt und gerichtet.

Damit es später nicht zu Verwerfungen oder Schäden kommt, werden die Bahnen an den Stoßkanten mit einer Handmaschine vernäht. Bei dieser Arbeit ist besondere Sorgfalt gefordert, aber hier ist auch Kraft bei den Mitarbeitern gefragt.

Worauf ist bei der Verfüllung der Rasentragschicht zu achten?

Sebastian Leitner: Zunächst kommt es darauf an, dass die RTS-Mischung den Anforderungen der DIN 18035, Teil 4 entspricht. In unserem Unternehmen hat sich die Verwendung einer Fertigtragschicht bisher bestens bewährt. Die Standards werden durch den Lieferanten eingehalten und die Verfügbarkeit des sehr homogen gemischten Materials wird durch den Lkw-Transport des Herstellers gewährleistet. So können wir auf Abruf die erforderlichen Mengen ordern.

Die Verarbeitung erfolgt mit dem Radlader und dem geeigneten Sandstreuer, der mit einer Bürstenwalze zur exakten Verteilung ausgestattet ist.

Die auszubringende RTS-Menge wird je Applikation so dosiert, dass nach dem Antrocknen das Material in einem folgenden Arbeitsgang mit dem Striegel in den Flor eingearbeitet werden kann. Bis zur Erreichung der Füllhöhe von 30 bis 35 mm sind mehrere Überfahrten erforderlich.

Die letzten Feinheiten zur Vorbereitung des „Top-Finish“ werden mit einer Bürstenkombination durchgeführt.

Mit welcher Rasenmischung arbeiten Sie, damit ein möglichst hochbelastbarer Sportasen entsteht und wie nehmen Sie die Einsaat vor?

Sebastian Leitner: Generell verwenden wir bei unseren Ansaaten im Sportplatzbereich die Sportrasen-Mischung RSM 3.1. Bei der Einsaat des ersten Hybridrasens hier in Hertingshausen haben wir die Spitzenmischung PS-49 Champion-Sport von ProSementis gewählt. Diese 50:50-Mischung mit Lolium perenne und Poa pratensis unter Verwendung von Spitzensorten, gibt uns die Gewähr, dass wir höchste Strapazierfähigkeit erwarten dürfen.

Mischung:
 20 % Lolium perenne LIGALA (B)
 15 % Lolium perenne EUGENIUS (B)
 15 % Lolium perenne DICKENS 1 (B)
 20 % Poa pratensis LIMOUSINE(A, B)
 15 % Poa pratensis SOMBRERO (A, B)
 15 % Poa pratensis JULIUS (A, B)

A) mit HEADSTART ®    B) mit Proradix ® Turf

Bei der Einsaat nutzen wir die Breitsaat mit unserer pneumatischen Sätechnik. Zur Sicherstellung des Bodenkontaktes arbeiten wir das Saatgut mit dem Striegel in den obersten Horizont etwa ein Zentimeter ein. Anschließend sorgen wir mit der Beregnungsanlage für eine kontinuierliche, angemessene Beregnung zur sicheren Keimung.

Wie sieht es mit der anschließenden Pflege aus?

Sebastian Leitner: Das Mähen, die Düngung und die Beregnung erfolgen wie bei jedem anderen Sportplatz.

Es wurde ein technisches Regelwerk für Bau, Pflege und Instandhaltung von Hybridrasenflächen für Sportanlagen im Freien erstellt. Die darin enthaltenen technischen Anforderungen sind vollständig auf das XtraGrass-System anwendbar. Neben den baulichen Vorgaben werden auch die erforderlichen Pflege- und Instandhaltungsmaßnahmen für Hybridrasenflächen beschrieben und erläutert.

Können Sie abschließend kurz die Vorteile des Hybridrasens nennen?

Sebastian Leitner: Folgende Leistungseigenschaften lassen sich für das Hybridrasen-System XtraGrass herausstellen:

•    hohe mechanische Belastung;
•    hohe Ebenflächigkeit;
•    hohe Scherfestigkeit;
•    mehr Nutzungsstunden;
•    Pflegekosten abhängig von Nutzungintensität

Das Hybridrasensystem XtraGrass vereint die besten Eigenschaften von Naturrasen und Kunstrasen!